Ich liebe alles, was regenbogenfarbig, pink, lila, blumig oder einfach nur knuffig und knuddelig ist. Ich liebe Einhörner, Feen, Schmetterlinge, Schleifen, Pusteblumen und Sternenstaub. Der Anblick dieser Dinge lässt mein Herz höher schlagen. Ein wahrgewordener Mädchentraum. Jeder Spielwarenladen hätte wahre Freude an mir und genau das ist der Punkt. Diese Dinge gibt es in einem Spielwarenladen, der für Mädchen ist. Dieser Laden ist in der Gesellschaft nicht für Erwachsene gedacht – außer jemand kauft dort etwas für die Tochter, die Nichte oder die Enkelin. Sollte sich heraus stellen, dass das Objekt der Begierde für einen selbst ist, dann erntet man nur skeptische Blicke. Ich weiß genau, dass der Blick sagt: „Sind Sie dafür nicht zu alt?“ Wenn man dazu noch eine rosa Plüschjacke trägt, einen Schlüsselbund mit allerlei Gedöns bei sich hat und ein Auto mit Tussi-on-Tour-Aufkleber fährt, ist das Klischee für die Verkäuferin perfekt. Ich bin äußerlich keineswegs so eine Klischee-Tussi, aber auch ich werde in diesen nicht ernstzunehmenden Topf gesteckt.

Einhörner, Feen und Prinzessinnen werden gleichgezogen mit kleinen naiven Mädchenträumen. Nur Mädchen träumen davon, dass es sie wirklich gibt und denken sich in deren Welt hinein. In der Gesellschaft herrscht der Konsens, dass Mädchen es noch nicht besser wissen (können) und daher ist es in Ordnung, dass sie daran glauben. Dabei geht es gar nicht darum, ob es Einhörner, Feen und Prinzessinnen wirklich gibt, sondern dass sie einem das Gefühl geben, auch ein Teil dieser unbeschwerten Welt zu sein. Man vergisst alles um sich herum und die Phantasiewelt fängt an zu blühen. Leider ist das Verlieren dieser Tagträumerei ein entschiedener Nachteil am Älter werden. Gefühlt habe ich mit jeden Lebensjahr ein Jahr an Unbeschwertheit verloren und mich mehr der Realität zugewandt. Im Teenageralter denkt man mehr und mehr darüber nach, ob diese Dinge wirklich so sind, wie sie sind. Das ist auch ein ganz natürlicher Prozess, doch geht dabei immer ein Stück dieser wunderbaren Welt verloren und es wird komplizierter.

Das Dinge komplizierter werden, ist ein Prozess des Erwachsens werden. Doch wann bin ich erwachsen? Als ich das 18. Lebensjahr erreicht hatte? Als ich in einer festen Beziehung war? Als ich zu Hause ausgezogen bin oder als ich meinen ersten festen Job hatten? Oder muss ich dafür verheiratet und Mutter sein? Erwachsen fühlt man sich nicht einfach, sondern man wird dafür gehalten. Erwachsen machen einen die anderen. Wann sie mich dafür halten, sind rein gesellschaftliche und objektive Gesichtspunkte und denen muss ich entsprechen. Vielleicht will ich aber nie für Erwachsen gehalten werden? Ich lebe nach dem Motto „Erwachsen werde ich nächste Woche“. Am liebsten möchte ich nie Erwachsen werden und mir graut es vor dem Tag an dem es mal so kommen wird. An dem Tag an dem ich realisieren muss, dass ich in der Gesellschaft nicht weiterkomme, wenn ich nicht für Erwachsen gehalten werde. Ich bin aber immer noch der Auffassung, dass dieser Tag nie kommen wird. 😉

Mädchen haben es in diesem Bezug eh schwieriger als Jungs. Sie werden früher reif und ihnen wird schnell mehr zugetraut, bzw. erwartet. Wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden, dann bekommen sie einen Stempel und den wird ein Mädchen so schnell nicht wieder los. Sie bleibt dann immer das Mädchen. Jungs wird immer nachgesagt, dass sie sich später entwickeln und da wird einfach viel mehr Toleranz gewahrt, wenn er noch nicht Erwachsen ist. Wenn er dann größer als Mutti ist, ist er automatisch Erwachsen, auch wenn er ein Leben lang Autorennen spielt, Lichtschwerter toll findet und eine eigene Modelleisenbahn hat. Mädchen müssen viel mehr dafür kämpfen, um für Erwachsen gehalten zu werden. Sie müssen sich erst mit ihrem Können beweisen, um alle zu überzeugen. Daher sollte eine Azubine auch nie in ihrem Lernbetrieb bleiben. Sie wird dort immer das Azubi-Mädchen sein und wird sich nie weiter entwickeln können. In seltenen Fällen funktioniert es, aber das liegt dann an einer Schlüsselsituation, in der sie sich beweisen konnte.

Ich habe es aufgegeben mich zu beweisen. Ich bin, wer ich bin und ich weiß, was ich kann. Auch wenn ich mit Schleifen im Haar, bunter Kleidung und auf das Tragen von Marco Polo, Lacoste oder einem Jacket verzichte, nicht erwachsen wirke. Ich werde gerne für Fremde als Azubine gehalten oder viel jünger eingeschätzt. Auch deswegen, weil ich gerne für andere Personen Aufgaben übernehme und das aus reiner Nettigkeit. Wenn aber die Diplomingenieurin die technischen Probleme im Nu verschwinden lässt und man sich eigentlich nur an sie gewendet hat, weil kein anderer da war, dann erntet man schon komische Blicke. Mir bestätigt das nur, dass ich mal wieder Recht hatte und die Menschen mit vielen Vorurteilen gestrickt sind. Am liebsten würde ich diesen Menschen jedes Mal den Spruch an den Kopf knallen „Erwachsen werde ich nächste Woche“, aber ich lächle nur und lasse den Gedanken im Raum stehen. Jedes Mal aufs Neue…

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