Heute starteten wir den dritten Versuch in der Universität und ich sollte endlich das Unterrichtsfach Habitant Design kennen lernen, was ich ausgewählt hatte.

Alle guten Dinge sind Drei. Meine Papiere wurden problemlos angenommen. Der Unterricht startete eine halbe Stunde später. Wenn man das überhaupt Unterricht nennen mag. In einem Klassenraum versammelten sich wild durcheinander sprechende Spanier und ich dachte daher, dass Habitant Design auf Spanisch sei. Etwas später kam dann der Professor und gesellte sich zu den einzelnen Gruppen. Als er dann zu mir kam, erklärte er mir auf Englisch (Ich war hier wohl doch richtig), dass alle Projekte schon seit 6 Wochen liefen und dass ich ein eigenes Projekt machen kann. Das Fach heißt “Habitant Design”, was soviel wie “Einwohner Design” bedeutet. Die anderen Studis machen Projekte, bei denen sie Tische und Stühle designen. Im Flur konnte ich schon einiges von den Vorjahren in Schränken erblicken.

Schrank mit Miniatur-Möbeln
Schrank mit Miniatur-Möbeln

Ich habe aber ein anderes Hintergrundwissen und daher kann ich auch was mit Home-Multimedia machen. Auf meine Frage hin, ob es dann ein real umgesetztes Multimedia-Projekt sein sollte, sagte er, dass es keine Funktionen brauche. Einfach nur Design. Nächste Woche präsentieren die anderen Studis ihren aktuellen Stand. Mein Vorschlag war das Design des Prototyps in Photoshop zu entwickeln, doch ihm reicht auch eine kleine PowerPoint-Präsentation, wo angedeutet wird, wie es aussehen könnte.

Fazit des Tages: Ich soll eine Einzelaufgabe machen mit Home-Multimedia, das keine Funktion hat und nur kurz in PowerPoint erklärt wird. Die Frage ist, wenn ich weder eine Gruppenarbeit mache, noch ein funktionelles Design. Was lerne ich von spanischer Projektarbeit dazu? Einzelprojekte ohne, dass ich was dazu lerne, könnte ich auch allein zu Hause in Deutschland machen.

Nach diesem doch so glorreichen Vormittag folgte dann das nächste Schlamassel. Als wir einkaufen waren, hat meine Begleitung den Schlüssel im Fahrradschloss stecken lassen und als wir aus LIDL raus kamen, klemmte unter meinem Gepäckträger ein Zettel mit einer Telefonnummer und der Notiz “Tu llave, llamo al”. Da standen wir nun mit den Einkäufen in der Hand und einer Telefonnummer, hinter der sich bestimmt ein Spanier verbirgt. Also musste ich allen Mut zusammen nehmen, das nötige Spanischwissen aus meinem Kopf hervor holen und anrufen. Ich musste nur drei Sätze sagen und schon hatte ich die Adresse in einer Parallelstraße. Zum Glück sprach er langsam und ich konnte mir alles notieren. Es war ein netter Herr Anfang 40, der den Schlüssel mitnahm, weil ein Junge sich umsah und die Fahrräder mitgehen lassen wollte. Zum Dank dafür bekam er eine Tafel Schokolade und der Tag war gerettet.

In Valencia ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dein Fahrrad mit 2 Schlössern trotzdem geklaut wird. Daher sieht man in fast jeder Wohnung im Eingangsbereich Fahrräder stehen. Unsere Fahrräder standen auf dem Balkon. Es gibt auch einen illegalen Fahrrad-Markt, wo man “günstig” Fahrräder erwerben kann.

Am Abend klingelte es an der Tür und als ich aufmachte, stand da eine Frau Mitte 40 und gab mir ein Flyer von Jesus. Gleich darauf fing sie wild an auf Spanisch zu erzählen. Da ich aber wusste, was sie wollte, sagte ich, dass ich nur Englisch kann. Sie redete einfach weiter auf Spanisch und ich machte die Tür zu. Manchmal ist es einfach besser nichts zu verstehen. Die Jehovas Zeugen verfolgen einen auch überall auf der Welt.

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